16. Punkt: Das Steinkohlenbergwerk Friedrich der Große I/II (FdG) in Horsthausen zwischen Roonstraße und Zweigkanal
1. Die
Geschichte des Steinkohlenbergwerks bis zur Weltwirtschaftskrise (1929-1933)
Das ehemalige Verwaltungsgebäude
Das ehemalige
Verwaltungsgebäude der Steinkohlenzeche Friedrich der Große (im Volksmund
"Piepenfritz" genannt) gehört seit 1970 der evangelischen Kirche
(Entwurf 1914, Baujahr: unbekannt). Das dekorierte Pförtnerhäuschen
links stammt aus dem Jahr 1928, das schlichte rechte vermutlich aus den beginnenden
1950er Jahren.
© Foto Engelbert Wührl, Bochum (2/1989)
Das Verwaltungsgebäude
der Zeche Friedrich der Große wurde vermutlich zwischen 1928 und 1930
zu dieser neubarocken Anlage umgebaut: Ausdruck eines erstarkenden Unternehmertums?
Links im Anschnitt die Roonstraße, rechts die Albert-Klein-Straße
(ab1927). Albert Klein war technischer Direktor (1913-1916), danach Generaldirektor
des Steinkohlenbergwerks FdG bis 1931. Hinter dem Verwaltungsgebäude ist
das Längsschiff mit Dachreiter der alten St. Josephskirche erkennbar, die
wegen Kriegs- und Bergschäden abgerissen werden musste (s. Punkt 15 HERNE).
Foto: Stadt Herne
Die großzügige
Architektur einschließlich ihres Parks überrascht den Besucher, der
eine solche schlossähnliche Anlage in einem von Arbeitersiedlungen dominierten
Stadtteil nicht erwarten kann.
© Foto Engelbert Wührl, Bochum (2/1989)
Der Entwurf mit der Reichsflagge (Schwarz-Weiß-Rot) stammt vom 21.4.1914.
Beschreibung der Architektur
Die neubarocke Architektur des Gebäudes (Architekt: O. Schwer, Essen) entspricht dem Verständnis des Kapitalbürgertums vor dem I. Weltkrieg: Die durch Pilaster streng gegliederte Fassade und der Dreiecksgiebel als Abschluss des nur leicht vorspringenden Risalits verweisen auf die Barockzeit, in der eine hierarchisch gegliederte Gesellschaftsordnung herrschte. Doch der Architekt weicht von der im Barock üblichen Spiegelsymmetrie ab und legt den Haupteingang in die zweite Achse von rechts, was als künstlerische Freiheit gewertet werden muss. Erst zwischen 1928 und 1930 wird der Haupteingang streng achsensymmetrisch versetzt, nachdem der Park 1927/28 zu einer barocken Ziergartenanlage umgestaltet worden war.
Verwaltung: Obergeschoss
Bemerkenswert ist auch die funktionale Zuordnung der Räume. Danach nutzen Direktor und Generaldirektor zentrale Räume im Erd- als auch im Obergeschoss, jeweils mit eigener Toilette ausgestattet. Konferenzraum und Direktorenzimmer im Obergeschoss sind holzgetäfelt. Die Oberbeamten aus den Bereichen Verwaltung und Betriebstechnik gruppieren sich mit ihren Büros um die beiden Mittelflure. Somit sind kurze Kommunikationswege und eine ausgeprägte Hierarchie räumlich vorgegeben.
Mit Stand Februar 2004 konnten die holzverkleideten Räume (Direktorenzimmer mit Schreibtisch und Konferenzzimmer mit Messsingkronleuchtern, die mit Doppeladlern und Löwenköpfen verziert sind) im Originalzustand begutachtet werden. Auffallend war, dass sich das Gebäude auf Grund von Bergsenkungen insgesamt nach Norden mit einer leichten Rechtsdrehung gesenkt hat. Es liegt aber nicht, wie die alte Josefskirche auf einer Verwerfungslinie, so dass es zu keinen Rissen in den Wänden gekommen ist.
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links: Undatiertes Foto vom Direktorenzimmer An der Wand hängt ein Foto von Kaiser Wilhelm II. Das Zimmer ist bis heute unverändert. Der Schreibtisch hat eine größere Schreibplatte bekommen. |
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rechts: Unveränderte Ausstattung des Konferenzraumes einschließlich der beiden Kronleuchter. Pilaster zieren wie die Hausfassade die Fensterfront. Foto: E. Wührl (2/2004) |
Die Parkgestaltung und die Verlegung des Haupteingangs am Ende der 1920er Jahre entsprechen der barocken Architektur- und Parkgestaltung. Wem wollte die Unternehmensleitung imponieren? Es liegt nahe, mittels dieser neubarocken Herrschaftsarchitektur streikbereite und aufmüpfige Bergarbeiter des Unternehmens gefügig zu machen: Der Unternehmer verstand sich als Patriarch, danach waren die Arbeiter seine Untergebenen: Gehorsam und Treue zu den "Schlotbaronen", wie der Volksmund den Geldadel im Ruhrgebiet ironisierend bezeichnete, bestimmten das Arbeitsverhältnis, obwohl die Gewerkschaften in der Weimarer Republik als verfassungsmäßig gleichberechtigte Tarifpartner anerkannt wurden. Die Architektur und ihr späterer Umbau belegen durchgehend konservativ-patriarchalisches Denken in der Unternehmerschaft auch während der Weimarer Republik. Somit haben wir es hier mit einer wichtigen sozialhistorischen Quelle zu tun, einer in Stein gebauten Sozialordnung.
Andererseits richtete sich
die Botschaft, die von dieser schlossähnlichen Herrschaftsarchitektur ausgeht,
auch an konkurrierende Bergwerke und potenzielle Geldgeber: Wir sind ein gesundes,
prosperierendes Unternehmen und deshalb zu teuer für einen Kauf. Das Abteufen
des Schachtes V (1913), die Förderung von mehr als 1 Mio. Tonnen Kohlen
bei einer Belegschaft von 4782 Mann im Jahr 1913 und die Verleihung des Feldes
"Friedrich der Große Fortsetzung" mit 8,9 qkm im folgenden Jahr
sprechen dafür.
Interessant ist auch der Standort der Verwaltung. Noch vor dem I. Weltkrieg
zeichnet sich die Entwicklung ab, dass sich die Verwaltungsgebäude und
erst recht die Direktorenvillen nicht mehr auf dem Betriebsgelände befinden,
sondern in einer entsprechenden Distanz zur alltäglichen schmutzigen Arbeitswelt.
Andererseits konnten der Bergwerksdirektor und der Generaldirektor von der leichten
Anhöhe der Emscherrandplatte bequem auf die Fördergerüste der
Zeche schauen. Die Bewegung der Seilscheiben signalisierten ihnen Betriebsamkeit
bzw. der Stillstand Betriebsstörungen. Vorherrschende Südwestwinde
verschonten die Verwaltung und die einstige Direktorenvilla (Bj.1901) in der
Luisenstraße 30 und die mit Jugendstilauflagen verzierte Generaldirektorenvilla
Nr. 28 vor Luftverschmutzungen (s. auch Standort der Direktorenvilla der Zeche
Mont-Cenis, Punkt 10 HERNE).
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FdG:
Direktorenvilla in der Luisenstraße 30
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FdG:
Generaldirektorenvilla in der Luisenstraße 28
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Foto:
E. Wührl (2/2004)
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Foto:
E. Wührl (2/2004)
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Roonstraße
37
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Roonstraße
33-37
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Foto:
E. Wührl (2/2004)
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Foto:
E. Wührl (2/2004)
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Bergbausymbole an
Häuserfassaden der "Beamtenwohnungen" der Zeche FdG. |
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2. Die Geschichte des Steinkohlenbergwerks Friedrich d. Große I/II (FdG) bis zum I. Weltkrieg und seine Raumwirksamkeit auf den Stadtteil Horsthausen
Foto: Stadt Herne
Die Herner
Bergbaugeschichte begann mit dem Abteufen (Niederbringen) des Schachtes 1 der
Zeche Shamrock durch den Iren William Thomas Mulvany im Jahr 1857. In Horsthausen
verzögerte sich das Abteufen des Schachtes 1 des Bergwerkes Friedrich d.
Große bis 1870, obwohl der Bergeborbecker Grubendirektor Bochkoltz die
ersten Grubenfelder bereits ab 1855 gemutet hatte, d.h. einen Antrag auf Verleihung
eines Grubenfeldes nach dem Aufschluss eines bauwürdigen Flözes gestellt
hatte. Die niedrigen Kohlenpreise in Europa ließen eine so große
Investition wie den Schachtbau nicht rentierlich erscheinen.
Der Namensgeber war der preußische König Friedrich der Große
(1712-86), in dessen Regentschaft (1740-86) wichtige Verbesserungen der Infrastruktur
wie z.B. die Schiffbarmachung der Ruhr und die Förderung des Steinkohlenbergbaus
fielen. Der preußische König war bis Mitte des 19. Jahrhunderts auch
oberster Bergherr aller Bergwerke und damit alleiniger Unternehmer (Direktionsprinzip).
Nach der Gründung der Zeche FdG dauerte es noch einmal zwei Jahre bis das
217 mächtige Deckgebirge aus Kreidemergel durchstoßen war, unter
dem das Karbon (=flözführendes Gebirge) lag. Schließlich konnte
im Jahr 1874 mit der Förderung der Kohle begonnen werden. Bis zum Niederbringen
des Schachtes II (1890/94) neben dem 1. Schacht wurde die Förderung immer
wieder durch geologische Störungen (Sekundus Sprung), Wassereinbrüche
und sogar Schlagwetterexplosionen und einen Grubenbrand stark behindert. Die
Gewerkschaft (= das Unternehmen) blieb bis 1888 aufgrund der geologischen, technischen
und konjunkturellen Bedingungen ohne Gewinn. Erst nach der Gründung des
Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats 1893, das wie ein Kartell den Kohleabsatz
und die Preise stabilisieren sollte, sowie mit der verstärkten Nachfrage
nach Kohle verbesserte sich auch die Absatzlage der Zeche FdG deutlich.
Der Kuxschein ist ein Anteilsschein am Vermögen eines Bergwerks, der namentlich verliehen wird. Bei Verlusten des Unternehmens musste der Anteilseigner zuzahlen (Zubuße); warf das Unternehmen jedoch Gewinne (Ausbeute) ab, wurden diese anteilsmäßig ausgezahlt.
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Wichtig bei diesem Kuxschein ist der Hinweis auf die Fettkohle, die bestens für die Koksherstellung geeignet war. Damit wurde die Zeche FdG besonders attraktiv für die Hüttenindustrie. 1918 wurde das Bergwerk an den Bochumer Verein verkauft, der es allerdings 1921 an die Ilseder Hütte weiterverkaufte. 1969 ging das Bergwerk in der 1968 gegründeten Ruhrkohle AG auf. |
Belegschaft, Schichtleistung (t/Mann), Kohlenförderung und Kokserzeugung
auf der Zeche Friedrich der Große
aus: Kuss, S. 51
Die Grafik zeigt, dass die seit 1874 rapide ansteigende Kohleförderung mit einer ebenso schnell anwachsenden Belegschaft bewältigt wurde. Eine Ausnahme bildet das Jahr 1923, in dem französische Truppen das Ruhrgebiet besetzten und die Kohleförderung durch passiven Widerstand der Zechenbelegschaften zum Erliegen kam. Aber bereits ab der zweiten Hälfte der 1920er Jahre bis zur Weltwirtschaftskrise (1929-33) wurde die Belegschaft deutlich abgebaut; trotzdem erreichte die Kohleförderung das Vorkriegsniveau. Um den Kostendruck bedingt vor allem durch den Import preiswerter englischer Kohle aufzufangen, mechanisierten die Bergbauunternehmen den Kohlenabbau (Einsatz von Abbauhämmern, Schüttelrutschen, Schrämmaschinen) und konzentrierten ihn auf wenige Betriebspunkte (Zentralschächte). Als Paradebeispiel der Rationalisierung im Ruhrbergbau gilt die als Weltkulturerbe anerkannte Zechenanlage Zollverein XII in Essen-Katernberg. Mechanisierung bedeutete aber auch Massenentlassungen. Darüber hinaus versuchte die Unternehmerschaft, die sozialen Errungenschaften der Weimarer Republik durch Lohnkürzungen und Verlängerung der Achtstundenschicht wieder in Frage zu stellen. Dies wiederum provozierte klassenkämpferische Töne bei der Arbeiterschaft, wie sie in der Herner Volkszeitung vom 31.03.1930 unter der Überschrift "Die sterbende Zeche" zu lesen sind:
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Entlassen! (Auszug zit. nach Unser Horsthausen...S. 60) |
Auf dem Hintergrund dieser Auseinandersetzungen zwischen einer konservativen
Unternehmensführung und einer klassenkämpferischen Arbeiterschaft
kann der Umbau des Verwaltungsgebäudes und des Parks zu einer neubarocken
Herrschaftsarchitektur als Ausdruck eines wiedererstarkenden Unternehmertums
in den Jahren 1928 bis 30 erklärt werden.
Für die Schachtanlage
FdG I/II bedeutete die Rationalisierung die Förderung auf die Schächte
III und IV im östlichen Betriebsfeld zu zentrieren. Die Schächte I,
II und V dienten zukünftig nur noch der Seilfahrt (Personenfahrt) und der
Wetterführung. Die Kokerei mit den Nebengewinnungsanlagen wurde ebenfalls
stillgelegt (1.4.1930). Der Koks wurde zukünftig auf der neuen Zentralkokerei
auf der Schachtanlage III/IV gebacken. Auch sollte der Seitenkanal, der durch
ständige Bergsenkungen Kosten verursachte, trockengelegt werden, was dann
auch 1938 geschah. Die Kohle, die zu großen Teilen verschifft wurde, konnte
nun vom zecheneigenen Hafen am Rhein-Herne-Kanal versandt werden.
Unglücklicherweise überlagerte die Weltwirtschaftskrise (1929-33)
die Rationalisierungsmaßnahmen, was für die Beschäftigten katastrophale
Ausmaße annahm: Die Zeche hatte Ende 1932 nur noch 1.300 Mann Belegschaft.
Das Foto
zeigt den trockengefallenen Zweigkanal (ab 1938), den Schacht 1, dessen Strebengerüst
in den Malakowturm gebaut wurde, sowie den Schacht II (rechts) der Schachtanlage
Friedrich der Große. Rationalisierungsmaßnahmen Ende der 1920er
Jahre haben zur Zentralisierung der Förderung und Verarbeitung der Kohle
auf dem Ostfeld am Rhein-Herne-Kanal geführt. Die Schachtanlage I/II wurde
1967 endgültig stillgelegt.
Foto: Stadt Herne
Messtischblatt von 1894 (Ausschnitt)
Das Messtischblatt von 1894 zeigt gravierende Landschaftsveränderungen durch den Bergbau. Eine wichtige Voraussetzung für die Wanderung des Kohlenabbaus vom Ruhrtal nach Norden war der Anschluss der Zechen an Massentransportverkehrswege wie die Köln-Mindener-Eisenbahn (1847), an die die Zeche FdG 1874 angeschlossen wurde. Noch bedeutsamer war die Verbindung zum Dortmund-Ems-Kanal über einen Stich- oder Zweigkanal (1895 - 1938), der an der Bahnhofstraße endete. Heute verläuft auf dieser Trasse der Emscherschnellweg (A42). Die Emscher darf 1894 noch mäandrierend ihrem natürlichen Lauf folgen.
Blickrichtung
aus Westen: Die Zeche Friedrich der Große I/II als "nasse Zeche"
am Stich- oder Zweigkanal mit eigenem Hafen. Vor der großen Halde auf
dem Nordufer befinden sich Destilliertürme der Benzolfabrik, die zur Kokerei
gehören (s. Altlasten unten).
Foto: Stadt Herne
Stadtplan Herne 1928, Maßstab 1: 15000
Neben den bereits erwähnten
Trassen der Eisenbahn und des Zweigkanals kamen noch der Rhein-Herne-Kanal (1906-1914)
und die Emscherregulierung (1909-12) als westostverlaufende Gliederungselemente
hinzu. Die noch frei gebliebenen Flächen beansprucht die Zeche als Betriebsfläche
(Tagesanlagen, Kokerei, Zechenbahnhof, Halden) bzw. für zecheneigene Wohnquartiere.
Somit wird die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts landschaftsbestimmende Landwirtschaft
auf Restflächen zurückgedrängt.
Die Schächte I und II liegen zwischen der Roonstraße und dem Zweigkanal
zum Rhein-Herne-Kanal (RHK), der Schacht V auf dem nördlichen Ufer des
RHK (1913) und die Schächte III und IV über dem Ostfeld am Hafen des
Kanals. Die Doppelschachtanlage III/IV wurde 1902/03-1907 abgeteuft. Im Zuge
der Rationalisierungsmaßnahmen 1928 bis 1930 verlagert sich der Schwerpunkt
der Zechenaktivitäten auf die östliche Betriebsfläche an der
Von-Waldthausen-Straße. Fortsetzung der Zechengeschichte (s. Punkt 13
HERNE).
Das Luftbild
von 1930 zeigt das Bergwerk Friedrich der Große I/II mit dem Stichkanal
sowie dem Verwaltungsgebäude an der Roonstraße. Zu diesem Zeitpunkt
ist der Haupteingang von der rechten Seite zur Mitte versetzt worden. Östlich
des Verwaltungsgebäudes befindet sich die St. Josephskirche.
Foto: Stadt Herne
Luftaufnahme
von Horsthausen zu Beginn der 1950er Jahren.
Foto: Stadt Herne
Die durch einen
Luftangriff beschädigte St. Josephskirche hat ein provisorisches Flachdach
erhalten (1950). Die evangelische Zions-Kirche ist noch nicht gebaut (Bj. 1956/57).
Nach Westen schließt sich das Verwaltungsgebäude der Zeche FdG mit
dem repräsentativen Park und den beiden Torhäuschen an. Die "Feldherrensiedlung"
(oben links), eine von der Zeche 1949-52 fertiggestellte Wohnsiedlung für
Bergarbeiter. Der Zweigkanal wurde zwar bereits 1938 trockengelegt und teilweise
verfüllt, ist in seinem Verlauf aber noch gut erkennbar.
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Erweiterung
der sogenannten "Feldherrensiedlung" in den Jahren 1949 - 1952,
aus: Wohnstätten an Rhein und Ruhr, hg. von W. Steinberg, Düsseldorf 1958 |
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Um
der stark angewachsenen Belegschaft preiswerten und zechennahen Wohnraum
zu verschaffen, tritt die Zeche auch als bedeutender Bauunternehmer im Stadtteil
auf. Zu den frühen Siedlungen gehört die Bergarbeitersiedlung Holper Heide an der Nordstraße aus den 1890er Jahren mit 187 Wohneinheiten. 1906/07 baute die Gewerkschaft FdG 548 Wohneinhei-ten in der York-, Lützow-, Blücher- und Scharnhorststraße gebaut. Die Siedlung erhielt im Volksmund den Namen "Feldherrensiedlung". Sie wurde 1949-52 deutlich erweitert durch die Bebauung der Diedrich-, Gneisenau- und Ziethenstraße (Foto oben links) Ab 1910 entstanden um die FdG-Schachtanlage III/IV in Börnig die ersten Zechensiedlungen an der heutigen Von-Waldthausen-Straße. In den 1920er Jahren erlebten die Wohnungsbaugesellschaften ihre Blütezeit (s. Punkt 3 HERNE), die nicht nur für Bergleute preiswerten Wohnraum schufen. In den 1950erJahren erreichte der Wohnungsbau seinen Höhepunkt mit dem Bau neuer Ortsteile wie Pantringshof (1952-54: 615 WE von der "Glück-auf" erstellt) zwischen Pöppinghauser Straße und Emscher gelegen oder Elpes Hof (Jürgenshof / Sudkampshof) ab 1955 zwischen Horsthauser Straße und Langforther Straße. |
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aus:
Kuss S. 34
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3. Altlasten - eine gesundheitsgefährdende Hinterlassenschaft der Industrialisierung
Endlich haben
wir`s geschafft: Unser Heim im Grünen
Karikatur: R. Dziabel (aus: Wührl: Chronologie einer Altlastensiedlung,
S.92)
Definition: Altlasten
In der Bundesrepublik gibt es keine verbindliche juristische Definition für
den Begriff "Altlast". Das Umweltbundesamt nennt folgende Definition:
Unter Altlasten versteht man schadstoffhaltige Standorte, von denen Gefahren für die Umwelt ausgehen. Solche sind insbesondere zu befürchten für:
- verlassene und stillgelegte Ablagerungsplätze mit kommunalen und gewerblichen Abfällen (Altablagerungen), -
wilde Ablagerungen, Aufhaldungen und Verhüllungen mit umweltgefährdenden Produktionsrückständen, auch in Verbindung mit Bergematerial und Bauschutt, - ehemalige Industriestandorte (Altstandort) - Korrosion von Leitungssystemen, defekte Abwässerkanäle, - abgelagerte Kampfstoffe, - unsachgemäße Lagerung wassergefährdender Stoffe und - andere Bodenkontaminationen.
Quelle: Umweltbundesamt (Hg.), Daten zur Umwelt 1986/87", Berlin 1986, S.175
Altlasten in der Leibnizstraße
Ruhrgebietstypische
Gefährdungen von Bodenkontaminationen können von ehemaligen Kokereistandorten
ausgehen so z.B. in Dortmund-Dorstfeld und Herne (Leibnizstraße), wo Anfang
der 1980 Jahre auf kontaminierten Böden Wohnsiedlungen gebaut wurden.
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Foto:
Stadt Herne
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Karte:
Stadt Herne 1987 (in: Wührl: Chronologie S.96)
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Auf der Karte und im Foto ist deutlich die große nierenförmige Haldenfläche zu erkennen, auf der der größte Teil der Reihenhäuser ab 1982 gebaut wurde. Der Halde nach Süden vorgelagert sind die Benzolfabrik (bis 1929 in Betrieb), der Klärschlammteich und die Kläranlage. Auf der Trasse des Zweigkanals verläuft der Emscherschnellweg. Das neue Teilstück der Leibnizstraße schwenkt um den ehemaligen Hafen des Bergwerks FdG nach Norden.

Zwischen Emscherschnellweg (1895 bis 1938 Trasse des Zweigkanals) und unterem
Rand des Fotos befand sich das ehemalige Bergwerksgelände FdG I/II.
Foto: Stadt Herne
(erste Hälfte der 1980er Jahre)
Bei den Bodenproben stellte
sich heraus, dass der Boden im Bereich nördlich der Leibnizstraße
mit Beonzo(a)pyren belastet ist und der Boden südlich der Leibnizstraße
zusätzlich noch mit Benzol. Daraus resultierten folgende Sicherungs- bzw.
Sanierungsmaßnahmen:
Der Boden nördlich der Leibnizstraße wurde abgetragen und südlich
der Leibnizstraße am Autobahndamm eingekapselt und abgelagert und danach
neu begrünt. Der zusätzlich mit dem leicht flüchtigen Benzol
belastete Bereich wurde durch eine Bodenluftabsaugung saniert und durch Bodenauftrag
gesichert.
Anfahrt mit dem
| - |
ÖPNV: Vom Bahnhof Herne mit dem Bus 333 in Richtung Industriegebiet Friedrich der Große (Punkt 13 HERNE). Haltestelle Albert-Klein-Straße (auch für Punkt 15 HERNE) |
| - | Pkw: Vom Bahnhof Herne über den Westring nach Norden; rechts in die Bismarckstraße (Punkt 3 HERNE), links in die Bahnhofstraße und sofort rechts in die Roonstraße |
Literatur:
Bürgener, Chr. / Dziabel,
R. / Keuper / Laks -
Siouar, F. / Schlaupitz, H. / Wührl , E. (Schülerarbeitsgemeinschaft):
Altlasten - ein verdrängtes Erbe unserer Industriegesellschaft.
Praxis Geographie H 7-8/ 1989, S.60-65
Cordes, Gerhard : Strukturen und Prozesse im industriellen Verdichtungsraum: Ruhrgebiet, Düsseldorf, 1993
Fronda , P. / Harbecke ,
A. / Haß, Chr. / Schlaupitz , H. / Wührl , E.
(Schülerarbeitsgemeinschaft) :
Herne - die Entwicklung vom Dorf über die Bergbau- zur Industriestadt.
In: "geographie heute", H.62 (August) 1988, S. 44-49
Herne in Westf., bearbeitet. v. Heinrich Knöll. 2.Auflg. Berlin 1928
Huske, Joachim: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis1997, 2.Aufl. Bochum 1998
Kuss, H.: Friedrich der Große, Mont Cenis. Herne 1977
Unser Horsthausen, Geschichte und Geschichten erlebt und aufgeschrieben von Horsthauser Rentnern (Hrsg.) Rudolf Eistermann Herne 2.Aufl. 2001 (ISBN 3-933059-00-3)
Wührl, Engelbert: Chronologie einer "Altlastensiedlung". Das Beispiel Leibnizstraße in Herne. In: 25 Jahre Kaufmännische Schulen der Stadt Herne (1966-1991), hg. v. den Kaufmännischen Schulen der Stadt Herne, Herne 1991, S. 93 -102
Bearbeitet von
Steve Moroz, GOST 13b, 2004
Engelbert Wührl